Der Anfang als TU Blasorchester

1968 wurde das TU Blasorchester gegründet, welches, ganz in der Rolle des modernen Blasorchesters, sich der traditionellen Marsch- und Blasmusik sowie der konzertanten Blasmusik widmete.

Geprägt wurden die erste Dekade durch den künstlerischen Leiter Heinz Krause, welcher das Blasorchester bis 1979 leitete. Als Laienorchester behauptete sich das Blasorchester auf nationaler Ebene und wurde unter anderem mit dem Staatspreis für künstlerisches Volksschaffen der DDR ausgezeichnet. Konzertreisen führten in die UdSSR, Polen, Ungarn und Bulgarien.

1979 übernahm Helmut Vietze, Musiker bei den Dresdner Tanzsinfonikern, das Dirigentenpult. Zur Aufführung kamen zunehmend auch eigens für das Orchester geschriebene Arrangements von Unterhaltungs- und Tanzmusik, welche über die Verlage nicht zu beziehen waren.
Vor allem war es der Arrangeur, Staatskapellen-Posaunist und späterer Musikhochschulprofessor Hans Hombsch, welcher mit Beatles-Musik, Dixieland-Potpourri und bekannten Musicals neue Maßstäbe im Repertoire setze, welche abseits der forcierten Quote "politisch korrekter" Musik kaum zu hören war.
Konzertreisen, wie zum Beispiel 1981 nach Leningrad (heute St. Petersburg), und Tonaufnahmen des DDR-Rundfunks, wie zum Beispiel des Jubiläumskonzerts anlässlich des 15-jährigen Bestehens 1983, setzten weitere Höhepunkte in der Orchestergeschichte.

TU Blasorchester 1971


Das Blasorchester und die DDR

Das Blasorchester gehörte neben dem Chor, dem Sinfonieorchester, verschiedenen Tanzensemblen und anderen künstlerischen Gruppen zu den studentischen Volkskunstkollektiven des Zentralen Studentenklubs (ZSK). Der ZSK wiederum war ein Organ der Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ), sodass wie nahezu alle künstlerischen Gruppen in der DDR auch das Blasorchester in das politische Geschehen eingebunden war.
Dieser Umstand schlug sich zum einem im Repertoire nieder, da darauf geachtet wurde, dass ein ausreichend großer Anteil ideologisch geprägter Musik gespielt wurde. Die Titel hießen dann Moskau im Mai, Marsch der Klassenbrüder oder Lenin-Hymne. Gleichzeitig war "klassenfeindliche" Musik, also vor allem die Unterhaltungsmusik aus Westeuropa und den USA nicht gern gehört.
Andererseits erfuhr das TU Blasorchester durch die FDJ auch die übliche großzügige Förderung hinsichtlich Ausstattung, Dirigent, Noten und Orchesteraustauschprogrammen. Konzerte zu den Paraden am 1.-Mai und anderen politischen Versammlungen waren eine feste Größe im Veranstaltungskalender, da man auf diese Weise auch als Orchester seinen geforderten Beitrag zur "Sicherung des Friedens und Vervollkommnung des Sozialismus" leisten konnte.


Die TU Big Band heute

Die TU Big Band

Die deutsche Wiedervereinigung 1989 brachte schwerwiegende Veränderungen für das TU Blasorchester mit sich. Es fehlte plötzlich nicht nur die politisch motivierte Führung und Förderung des Ensembles, sondern auch gewohnter Zuspruch durch Publikum und Musiker: Zu vielfältig und reizvoll waren die neuen Möglichkeiten jenseits der Blasmusik.

Als Konsequenz folgte 1990 die Gründung als freier Verein, welcher als TU Big Band e.V. in das Vereinsregister eingetragen wurde. Der Name manifestierte die musikalische Veränderung, welche sich schon seit einigen Jahren langsam im Repertoire vollzog. Polkas und Märsche verschwanden zugunsten neuer Titel aus der Tanz- und Unterhaltungsmusik aus den Notenmappen, wobei unter anderem auf maßgeschneiderte Arrangements von Heinz Holek, ebenfalls ein Dresdner Tanzsinfoniker, zurückgegriffen wurde.

Weitere Herausforderungen taten sich auf: Publikum, Veranstalter und das liebe Geld. Zwar sprang das Studentenwerk Dresden in die Lücke und sicherte mit finanzieller Unterstützung und Bereitstellung eines Probenraumes das Fortbestehen, die TU Big Band musste sich aber nun selbst ohne Leitung von oben auf dem freien Markt behaupten und Geld für Honorare und Anschaffungen größtenteils selbst erwirtschaften.
Der Einstieg in diese neue Zeit gelang erfolgreich unter Martin Konitzer, Musiker und ehemaliges Mitglied des TU Blasorchesters, welcher von 1995 bis 2005 nicht nur den Taktstock schwang und das Ensemble auf die Pfade jenseits der traditionellen Blasmusik führte, sondern auch seine organisatorischen Geschicke erfolgreich für das Orchester einsetzte.

Mit Bertram Liskowsky, welcher 2005 die musikalische Leitung der TU Big Band übernahm, erfolgte eine weitere Profilierung als Swing- und Tanzorchester. Mehr Bigband-Klassiker wurden einstudiert und dem Wiederaufleben der Tanzball-Kultur wurde mit einem breiten Spektrum an Tanzmusik Rechnung getragen. Außerdem kamen Zupfbass und Gesang hinzu, während Medleys und Potpourris ins Archiv wanderten.

Trotz Namensänderung blieb die TU Big Band ihrer blasorchesterähnlichen Besetzung treu. Sie ist als fluktuierendes Studentenorchester damit nicht nur wesentlich flexibler, sondern bietet dank Klarinette, Flöte und tiefem Blech auch einen ungewöhnlich vollen Bigband-Sound. Soll noch jemand behaupten, ein Blasorchester könnte nur Polka, Marsch und konzertante Blasmusik spielen...

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